Meeresbiologin · Delfinforscherin
Ich bin Angela Ziltener, Delfinverhaltensforscherin im nördlichen Roten Meer. Seit vielen Jahren tauche ich mit wilden Indopazifischen Grossen Tümmlern und erforsche ihr Verhalten aus nächster Nähe. Weil die Delfine die Nähe freiwillig suchen, sehe ich Dinge, die sonst kaum jemand zu sehen bekommt.
Feldforschung unter Wasser, Fotoidentifikation und neue Erkenntnisse über das Verhalten der Delfine.
Ich bringe Menschen und Delfine einander näher und erzähle, was ich unter Wasser sehe.
Ich setze mich für nachhaltigen Delfintourismus ein, gegen Delfinarien und gegen die Bejagung von Walen und Delfinen.
Schon als Kind haben mich das Meer und die Delfine nicht mehr losgelassen. Meine erste Begegnung erlebte ich mit neun Jahren in Florida. Sie war so prägend, dass ich unbedingt Englisch lernen wollte, um beim nächsten Mal mit ihnen schwimmen zu können.
Im Februar 2000, bei meinem ersten Tauchgang auf den Malediven, war ich über zwanzig Minuten mit einer Gruppe Grosser Tümmler unter Wasser. In diesem Moment wusste ich: Das ist meine Lebensaufgabe. Durch mein Biologiestudium und die Arbeit mit Primaten im Regenwald wurde mir klar, dass man Tiere erst wirklich versteht, wenn man viel Zeit mit ihnen verbringt. Genauso arbeite ich mit Delfinen: Ich tauche mit ihnen, werde Teil ihrer Gruppe und bekomme so einen Einblick in ihr Leben, den man vom Boot aus nie bekommt.
Als ich in Ägypten die Folgen von Delfintourismus und Treibjagden sah, konnte ich nicht mehr nur beobachten. Ich begann aufzuklären, Bildungsangebote mit lokalen Partnern aufzubauen und mit den Behörden Schutzmassnahmen zu entwickeln. Dafür gründete ich die Dolphin Watch Alliance. Heute setze ich mich dafür ein, dass Menschen die Delfine verstehen und ihren Lebensraum respektieren.
Ich begegne den Tieren als Individuen, nicht als Studienobjekten.
Meine Forschung lebt von der direkten Begegnung. Ich muss nah heran, sonst verstehe ich nichts.
Wenn ich bei den Delfinen bin, bin ich ganz dort. Halbe Aufmerksamkeit gibt es unter Wasser nicht.
Ich wahre die Grenzen der Tiere und störe so wenig wie möglich.
Die Delfine überraschen mich bis heute.
Ich erforsche das Verhalten von Indopazifischen Grossen Tümmlern dort, wo es stattfindet: unter Wasser, in ihrem natürlichen Lebensraum.
Über die Jahre habe ich 470 einzelne Delfine anhand ihrer Merkmale identifiziert und ihr Verhalten dokumentiert. So entsteht ein Bild ihres Soziallebens, wie es sonst kaum möglich ist: wer mit wem verbunden ist, wie sie miteinander kommunizieren, wie ihre Gruppen zusammenhalten.
Einige Beobachtungen haben zu wissenschaftlichen Erkenntnissen geführt, etwa dass sich die Delfine gezielt an Korallen und Schwämmen reiben. Was mich am meisten fasziniert: Jeder Delfin ist eine Persönlichkeit, mit Bindungen, die über viele Jahre halten.
Was ich unter Wasser lerne, gebe ich weiter: an die Öffentlichkeit, die Tourismusbranche und die Behörden. Ich setze mich für nachhaltigen Delfintourismus und klare Regeln für Delfinbegegnungen ein. Und ich stelle mich gegen Delfinarien, gegen Beifang und gegen die Bejagung von Walen und Delfinen.
Diese Arbeit trägt die Dolphin Watch Alliance. Gemeinsam mit lokalen Partnern und dem Red Sea National Park entstehen Bildungsangebote, Schutzgebiete und Richtlinien für den Schutz der Delfine im Roten Meer.
Meine Arbeit war Teil internationaler Naturfilmproduktionen, darunter BBC Blue Planet II und Disneynature Dolphin Reef. 2026 feiert «Dolphins: My Close Encounters» von Silverback Films am Zurich Film Festival Weltpremiere, ein Film über meine langjährige Forschung mit den wilden Delfinen.
In Vorträgen, Interviews und Reportagen erzähle ich von der Welt der Delfine und davon, wie wir ihr mit Respekt begegnen können. Medien, Konferenzen und Schulen dürfen sich gerne bei mir melden.
«Sie geht näher ran, um besser zu verstehen. Und sie versteht, um besser zu schützen.»